Sexuelle Störungen und Sexualtherapie

 

Meine bisherige sexualtherapeutische Arbeit

Bereits während des Studiums entdeckte ich als einen Interessenschwerpunkt die Sexualtherapie. Meine erste Ausbildung absolvierte ich folgerichtig von 1985-86 bei Hermann Wendt in Köln. Sein sexualtherapeutischer Ansatz, der Verhaltenstherapie und Gestalttherapie verband, kam mit sehr entgegen.

Während meiner Arbeit in der Psychosomatischen Fachklinik Bad Dürkheim (1986-1993) erhielt ich die Gelegenheit, sowohl Gruppen für Frauen mit sexuellen Problemen als auch Gruppen für sexuell traumatisierte Patientinnen zu konzipieren und durchzuführen. Häufig waren sexuelle Beschwerden auch in Einzeltherapien Thema. Schon damals machten wir die Erfahrung, dass eine Weitervermittlung von PatientInnen zur Fortführung der Sexualtherapie nach dem Klinikaufenthalt schwierig war, da nur wenige niedergelassene KollegInnen mit dem Themenspektrum sexueller Problematiken vertraut waren.

In meiner Praxistätigkeit in Bad Dürkheim seit 1995 habe ich mich daher bemüht, den Bereich der Sexualtherapie auch im ambulanten Bereich zu etablieren. Dieser umfasst die Arbeit sowohl mit Frauen und Männern in Einzeltherapie, als auch die Arbeit mit Paaren und Gruppen. Ob Frauen und Männer hetero- oder homosexuell orientiert sind, spielt für mich keine Rolle – alle sind willkommen.

Sexuelle Probleme und Störungen

 Hilfesuchende Frauen melden sich z.B. mit folgenden Problemstellungen:

  • Ich habe keine Lust (mehr), mit meinem Partner/meiner Partnerin Sex zu haben.

  • Er/Sie will viel öfter Sex als ich. Deshalb bin ich ständig unter Druck, nicht oft genug zu wollen.

  • Ich kann mich nicht "fallen lassen" und abschalten, so dass meine Erregungsfähigkeit darunter leidet.

  • Ich bekomme keinen Orgasmus.

  • Ich habe Schmerzen beim Eindringen.

  • Ich bekomme einen Scheidenkrampf, so dass mein Partner nicht eindringen kann.

  • Ich weiß nicht, ob er/sie der/die Richtige ist, weil ich keine Lust habe.

  • Ich bin blockiert und weiß nicht, warum. Ich möchte am liebsten überhaupt nichts mit Sex zu tun haben.

  • Ich habe beängstigende/beschämende/gewalttätige/masochistische/eklige... Fantasien beim Sex.

Hilfesuchende Männer berichten z.B. über folgende Beschwerden:

  • Meine Erektion hält nicht bis zum Geschlechtsverkehr.

  • Meine Erektion geht beim Eindringen oder kurz danach zurück.

  • Ich komme zu früh.

  • Zwar habe ich einen Samenerguss, aber er fühlt sich nicht wie ein Orgasmus an.

  • Ich bekomme keinen Samenerguss.

  • Ich stehe zu sehr unter Druck, es ihr/ihm recht machen zu wollen.

  • Ich habe Fantasien, die ich niemandem sagen kann.

  • Ich habe Vorlieben (Fetische, Sado-Maso-), die ich heimlich auslebe. Wenn meine Partnerin das wüsste, gäbe es Probleme.

  • Ich könnte ständig Sex haben, wesentlich häufiger als meine Partnerin. Ich gebe zu, dass ich sie auch bedränge. Aber dann reicht es mir immer noch nicht, und ich lade mir entsprechendes Material herunter.

Typische Klagen von Paaren sind:

  • Wir streiten uns häufig darüber, dass wir unterschiedlich oft Sex haben wollen.

  • Wir können nicht über Sex reden.

  • Wir finden keinen guten Zeitpunkt, unser Leben ist zu voll.

  • Wir bekommen den Anfang nicht richtig hin. Oft gibt es Missverständnisse, und dann beginnen wir zu streiten.

  • Über die Jahre ist der Sex immer langweiliger geworden.

  • Seit er/sie fremd gegangen ist, stelle ich mir immer diese(n) Frau/Mann zwischen uns vor.

  • Je häufiger er will, desto seltener will ich: Er ist immer schneller, und ich komme nicht hinterher.

  • Sie ist immer so passiv und traut sich nicht zu experimentieren.

  • Er streichelt mich falsch.

Was versteht man unter Sexualtherapie?

In der Behandlung sexueller Störungen dominieren in Deutschland gegenwärtig zwei therapeutische Richtungen: das sog. „Hamburger Modell“ (Hauch 2006), das ursprünglich aus dem Ansatz von Masters und Johnson entwickelt wurde, und die systemische Sexualtherapie (Clement 2004). Beide behandeln das Paar. Das „Hamburger Modell“ lässt auch zusätzliche unterstützende Einzelsitzungen zu. Den therapeutischen Fokus auf das Paar zu legen hat seine Berechtigung, wenn auslösende und aufrechterhaltende Bedingungen im Paargefüge vorliegen. Er muss aber dann erweitert werden, wenn eine ausführliche Anamneseerhebung individuelle, über die Partnerschaft hinausweisende Problemschwerpunkte ergibt. Oder wenn ein zunächst „geschützter Raum“ im Rahmen einer Einzeltherapie, z.B. bei Abgrenzungsproblemen, günstiger erscheint, wobei sich dann Paarsitzungen in der Regel später anschließen.

Meines Erachtens stellt sich folgender Ablauf als günstig dar: erstens einzeltherapeutische Sitzungen, zweitens die Paartherapie vorbereitende, einzeltherapeutische Sitzungen, drittens Paarsitzungen.

Ablauf einer Einzeltherapie bei einem sexuellen Problem

Jede Sexualtherapie beginnt mit Gesprächen, in denen z.B. über folgende Inhalte gesprochen wird: Was ist der Anlass Ihres Kommens? Warum gerade jetzt? Seit wann zeigt sich Ihr Problem? Wie erklären Sie sich selbst die Gründe? etc.

Sexualität und damit verbundene Problembereiche sind explizit Thema und Fokus der therapeutischen Gespräche. In den ersten Sitzungen wird es vorwiegend darum gehen, ein Problemverständnis zu entwickeln, also warum Sie überhaupt dieses Problem haben. Deshalb ist es sinnvoll, Ihre sexuelle Entwicklungsgeschichte zu besprechen und uns ein Bild über "schwierige", positive, aber auch fehlenden Erfahrungen (die für eine positive Entwicklung notwendig gewesen wären), zu machen. Außerdem werden wir eine sog. Verhaltensanalyse Ihres speziellen Problems erarbeiten. In Zusammenschau all dieser Informationen dürften Sie gute Voraussetzungen haben, Ihr Problem besser zu verstehen. Erst dann beschäftigen wir uns mit der Frage nach dem Therapieziel. Neben den Gesprächen schlage ich Ihnen auch Hausaufgaben vor, damit sind in der Regel Übungen gemeint, mit denen Sie zuhause experimentieren sollen und die in den Sitzungen nachbesprochen werden. Daneben werden viele weitere therapeutische Interventionen - je nach individuellen Erfordernissen – aus unterschiedlichen therapeutischen Richtungen (Körperarbeit, Imaginationsverfahren, Psychodrama, Gestalttherapie, Kunst- und Bibliotherapie etc.) zur Anwendung kommen. Falls Sie Lust haben, noch genauer zu erfahren, wie ich Sexualtherapie konkret umsetze, können Sie beispielsweise den Fachartikel ´Die "innere lustvolle Frau" - eine sexualtherapeutische Intervention´, lesen.

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